TAG DES DEUTSCHEN BIERES AM 23.4.2019

Ein Tag zum feiern, oder…? Meine persönliche Meinung dazu.

Wir feiern an eben diesem Tag “das deutsche Bier”, oder vielmehr die Proklamation des deutschen Reinheitsgebotes (RHG). Zitat deutscher Brauerbund:
“Traditionell steht in Deutschland der 23. April in jedem Jahr ganz im Zeichen des Bieres. Denn am 23. April 1516 wurde das deutsche Reinheitsgebot proklamiert, und seitdem gilt per Gesetz: In unser Bier gehört nur Wasser, Hopfen und Gerste (die Hefe wurde erst später erwähnt, als man in der Lage war, Hefe herzustellen). Dieses älteste Lebensmittelgesetz der Welt feiern die deutschen Brauer Jahr für Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen und Festen im ganzen Land. “

Unser RHG, was steht da eigentlich drin? Die allerwenigsten wissen es, aber alle haben eine Meinung dazu, deswegen hier einmal genau das, unser RHG. Für uns Konsumenten wichtig ist dieser Satz:”…zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet werden und gebraucht werden sollen.”

So weit, so gut. Aber da steht nichts von Weizen, nichts von Malzen, nichts von Hefe. Wenn man das RHG streng auslegen soll und das muss man, wenn man sich drauf beruft, oder mit wirbt, dann ist zum Beispiel KEIN einziges Weizenbier nach dem RHG gebraut, denn Weizen ist da ja explizit nicht genannt. Von Hefe hatte man damals keine Ahnung und von Malzen steht da auch nix…

Wonach brauen wir dann also? Tja, dafür haben wir das “Vorläufige Biersteuergesetz von 1993”. Tja, das ist also tatsächlich das RHG, nachdem per Gesetz Bier gebraut wird. Klingt nur nicht so sexy und catchy wie das Reinheitsgebot von 1516. Und wer denkt, dass unser Bier tatsächlich komplett ohne Hilfsstoffe, Klärmittel, Stabilisatoren auskommt, dem muss ich leider sagen. “Nö”. Hier ein paar Hilfsstoffe, die benutzt werden dürfen: Aktivkohle, Algenmehl, Bentonite, Calciumsulfat, Chlordioxid, Gelatine, Hexan, Holzspäne, Kieselgele, Methylenchlorid, Perlite, Schwefelsäure, Zink und viele mehr, sind circa 66 Hilfsmittel. Die müssen alle nicht im Bier drin sein, können aber verwendet werden. Und die ganz argen Dinge habe ich noch gar nicht genannt.

Also, für mich ist das Reinheitsgebot ein wichtiges kulturhistorisches Werk (selbst das erste Lebensmittelgesetz ist es nicht, das ist der Kodex Hammurapi aus dem alten Babylon) und nicht mehr. Es hat keinerlei rechtliche Bindung, denn dafür haben wir eben das oben genannte Gesetz. Im Gegenteil, es ist eine Verklärung der Geschichte, mit viel Information und auch Desinformation. Jeder hat es gehört, jeder hat eine Meinung dazu, aber kaum einer weiß, was drin steht. Und wehe, jemand packt Früchte und Kräuter dazu, wie die Belgier. Dann ist es kein Bier mehr, aber Bentonite und Ozon, Schwefelsäure und mehr ist okay… Manchmal versteh ich die (Bier)Welt nicht mehr.

Da lobe ich mir den DEUTSCHEN KREATIVBRAUERVERBAND und deren NATÜRLICHKEITSGEBOT. Das sagt nämlich, dass nur natürliche, unveränderte Rohstoffe verwendet werden dürfen. Und dazu gehören eben auch Kirschen, Orangenschalen, Koriander mehr! https://deutschekreativbrauer.de/

Aber macht euch bitte eure eigene Meinung. Ich jedenfalls trinke jetzt ein belgisches Kriek, auf Sauerkirschen gelagert und im Fass gereift. PROST!

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